Geschichte der Eröffnung:
Das Damengambit ist eigentlich kein richtiges Gambit. Der Bauern wird
nicht wirklich geopfert, wenn Schwarz diesen Mehrbauern auf Biegen und
Brechen verteidigen will, gerät er deutlich ins Hintertreffen.
Diese Eröffnung war bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts wenig
populär, bis dahin waren vor allem die offenen Spiele mit ihrem großen
Kombinationsgehalt gefragt. Das Damengambit galt als trockene und
farblose Eröffnung. Erst nachdem die Eröffnungsprinzipien modernisiert
wurden, erkannten die Schachspieler auch den Wert der geschlossenen
Eröffnungen. Nach dieser überarbeitung der Schachtheorie wurde das
Damengambit zu einer der beliebtesten Eröffnungen, und galt lange Jahre
als die ideale Eröffnung für Weiß. Die anderen Eröffnungen nach 1. d4
mit z.B. 1. ... Sf6 entstanden aus dem Wunsch dem Damengambit
auszuweichen, das macht das Damengambit zur ältesten geschlossenen Eröffnung.
Ziele und Besonderheiten der Eröffnung:
Das Damengambit hat mit der Spanischen Eröffnung eines gemeinsam, die
Variantenvielfalt. Unter dem Dach dieser Eröffnung sind viele verschiedene
Varianten entstanden, viele davon sind eigentlich eigenständige
Eröffnungssysteme, denen nur die ersten Züge gemeinsam sind. In den
meisten dieser Systeme kämpfen beide Parteien ums Zentrum und Bemühen
sich um eine große Manövrierfähigkeit und einen harmonischen Figurenaufbau.
Große Aufmerksamkeit wird auch auf die Königssicherheit gelegt. Erst
nach ruhigen Manövern zur Vorbereitung folgen die taktischen Geplänkel,
häufig erst nach Abschluß der Eröffnung. Sehr scharfe taktische
Auseinandersetzungen sind wie bei geschlossenen Spielen allgemein eher selten.
Betrachten wir uns nun den Aufbau etwas genauer. Der weiße Bauer auf c4 soll
den schwarzen Zentrumsbauern auf d5 angreifen und abtauschen und so zu
einer weißen Bauernmehrheit im Zentrum führen. Ein Verzicht von c4 nach
den einleitenden Zügen, würde dem Schwarzen c5 mit leichtem Ausgleich
ermöglichen. Nimmt Schwarz den Bauern auf c4 an, so erhält Weiß ein
starkes Bauernzentrum, Schwarz hingegen bemüht sich um Figurendruck
gegen das Zentrum.
mögliche Fortsetzungen:
Auch in dieser Eröffnung kann man wie bei der spanischen Eröffnung zwischen
zwei Hauptgruppen unterscheiden:
- das angenommene Damengambit
- das abgelehnte Damengambit
Der Komplex des abgelehnten Damengambits ist sehr viel umfangreicher
als der Teil des angenommenen Gambits. Wir wollen deshalb nun zunächst
einen Blick auf die Annahme des Bauern werfen.
Das angenommene Damengambit (ECO: D20 - D29)
1.d4 d5
2.c4 dxc4
Schwarz nimmt den angebotenen Bauern und versucht so im Zentrum gleich
klare Verhältnisse zu schaffen. Die spannungslose Situation ermöglicht
ihm eine Entwicklung seiner Figuren auf ihre normalen Positionen.
A
(nach 1. d4 d5 2. c4 dxc4) (ECO: D20)
3.e4
3. e3 Sf6 4. Lxc4 e6 5. Sf3 c5 mit dem übergang zu Varianten nach 3. Sf3,
siehe auch Variante C.
3.... e5
4.Sf3
4. dxe5 Dxd1 5. Kxd1, Weiß hat das Rochaderecht verloren und Schwarz hat
keine Probleme.
4.... Lb4+
oder 4. ... exd4 5. Lxc4 Lb4+ 6. Sbd2 Sc6 7. 0-0 und Weiß hat leichte
Vorteile, der Bauer d4 ist für Schwarz auf Dauer nicht haltbar.
5.Ld2 Lxd2
6.Sbxd2 exd4
7.Lxc4 Sc6
8.0-0
Beide Parteien versuchen sich weiter zu entwickeln, die Chancen sind
ausgeglichen. Schwarz versucht Figurendruck gegen das Zentrum auszuüben.
B
(nach 1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. e4) (ECO: D20)
3.... Sf6
4.e5
Weiß vertreibt den schwarzen Springer sogleich.
4.... Sd5
5.Lxc4 Sb6
6.Lb3
Der Läufer behält von hier aus den Punkt f7 im Blick.
6.... Sc6
7.Le3 Lf5
8.Sc3 e6
Schwarz beendet nun nach Le7 und 0-0 seine Entwicklung und erreicht eine
ausgeglichene Stellung, nur sein Springer auf b6 und sein Läufer f5 wirken
nicht ganz glücklich.
C
(nach 1. d4 d5 2. c4 dxc4) (ECO: D27-29)
Das am häufigsten anzutreffende System. Die sofortige Entwicklung des
Springers nach f3 ist ein logischer Zug, er verhindert ein mögliches e5
von Schwarz.
3.Sf3 Sf6
4.e3
Möglich ist auch 4. Sc3. Weiß möchte nach e4 das Zentum ganz erobern
und anschließend den Bauern auf c4 zurückgewinnen. Eine denkbare
Fortsetzung wäre: 4. ... c6 5. a4 um b5 zu verhindern 5. ... Lf5 6. e3
und Schwarz bemüht sich bei gleichen Chancen seine Entwicklung zu beenden.
4.... e6
5.Lxc4 c5
gegen das Zentrum gerichtet.
6.0-0 a6
droht mit b5 die schwarze Stellung zu festigen.
7.a4
Weiß bemüht sich b5 zu verhindern.
7.... Sc6
8.De2 cxd4
9.Td1 Le7
10.exd4 0-0
11.Sc3 Sd5
da Weiß d5 drohte. Die Stellung ist in einem dynamischen Gleichgewicht,
aber nicht ungefährlich.